Silvester 2017

Lieber Mensch,

Feierst du heute? Was feierst du? Das Bekannte? Oder das Unbekannte? Wie persönlich darf ein Blog dieser Art sein? Wie persönlich darf und soll mein Blog sein? Natürlich so persönlich, wie ich es möchte. In meinem Leben übe ich mich gerade darin, Ruhe zu bewahren - während dieser Tage des plötzlichen Todes meiner Mutter. Rainer Maria Rilke schreibt darüber in einem Gedicht:

Der Tod ist groß. Wir sind die Seinen lachenden Munds. Wenn wir uns mitten im Leben meinen, wagt er zu weinen mitten in uns.

So übe ich mich, Ruhe zu bewahren im Auge des Sturms. Der Geist kann völlig still sein, auch wenn es draußen tobt und stürmt, auch dann kann das Herz so gestimmt werden, ununterbrochen Musik hervorzubringen. 

Seit ein paar Tagen wird es wieder heller bei uns, das Licht kehrt zurück. Und geht es nicht genau darum - um das Licht in uns? Ist Licht Bewusstsein?  Für mich ist Bewusstsein der wichtigste Aspekt in meinem Leben, DAS Wunder des menschlichen Lebens und zugleich das größte Rätsel.  Wir Menschen sagen, das wir mehr oder weniger bewusst sind, vor allem unserer selbst. Man kann auch sagen, Bewusstsein macht uns erst zum Mensch. Wo ist das Bewusstsein lokalisiert? Wo fängt es an? Wo hört es auf? Was meinen wir damit, wenn wir sagen"Ich bin (meiner selbst) bewusster als gestern" ? Was bedeutet es, wenn wir sagen "Ich habe so lange geschlafen" ? Für mich bedeutet BewusstSEIN, in jedem Augenblick meines Lebens, bewusst immer wieder die Wahl zu treffen, "Auf was möchte ich meinen Fokus, meine Aufmerksamkeit richten?" Auf das, was nicht "stimmt", nicht so ist, wie ich es gerade haben will? Auf das, was mich trennt - oder noch anders - wodurch ich mich trenne? Auf das, was mich ankotzt? Auf das, was für mich falsch ist? Oder auf das, was verbindet? Auf die Vollkommenheit im Müll. Die Vollkommenheit im Schmerz. Und mitten im Müll, im Misthaufen, im Schmerz innezuhalten, zum Auge des Sturms zu werden und diesen Raum in uns wahrzunehmen - diese mächtige, weite Kathedrale. 

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Meinst du, dass sich deine Gedanken und Gefühle auf deine Realität auswirken? Jedes Mal, wenn du mit Furcht und Angst reagierst (Furcht und Angst sind Emotionen, und Emotionen sind Energie), führst du ihnen Energie zu, und schon entstehen die nächsten Unruhen. Ich denke, es geht darum, zu DIESEM Zeitpunkt der Geschichte in der Stille und Ruhe zu verweilen - zum Auge des Sturms zu werden. Wir werden zum Auge des Sturms, indem wir uns aus dem Chaos heraus - uns in den gegenwärtigen Moment ziehen, aus dem ewigen gegenwärtigen Moment geht jegliche Schöpfung hervor. Unsere Menschenwelt befindet sich in einem Dehnen und Ziehen - ein zunehmend kollektives Bewusstsein, welches wachsen und sich ausdehnen möchte und zugleich alte und begrenzte Bewusstseinszustände, die am Bekannten festhalten wollen. Jedes Mal, an dem du emotional stark auf äußere Ereignisse reagierst, lenkst du deine eigene Kraft, deine Energie weg vom Modus der Neuschöpfung. Furcht und Angst können sich nur ausbreiten in einer Erwartungshaltung, du malst dir etwas aus, du rechnest mit etwas - mit etwas, was noch nicht passiert ist. 

Gott wohnt in einem Licht, zu dem die Bahn gebricht; wer es nicht selber wird, sieht ihn ewig nicht.
— Angelus Silesius

Fragst du dich nun, was du nun stattdessen tun könntest? Schöpfung, Erzeugung von etwas Neuem, noch nicht in deinem Leben gewesenen, ereignet sich im Unbekannten, im dir NICHT Bekannten. Es macht also wenig Sinn, in der Vergangenheit nach Lösungen zu suchen, also auch in den Emotionen der Vergangenheit zu suchen. Wenn du deine Zukunft, was auch immer dies für dich bedeuten mag, Heilung, Freiheit, Ganzheit, (Selbst-) Liebe erschaffen willst, ist es immens wichtig, deine eigene "Schwingung", deine elektromagnetische Signatur, zu verändern, zu erhöhen - denn deine Energie folgt deiner Aufmerksamkeit. IMMER.

Also die eigene Angst überwinden, um die Zukunft, das Unbekannte zu erschaffen. Halte deine Vision in dir lebendig und wenn deine Leidenschaft für deine Vision größer, stärker ist als deine Angst vor dem Unbekannten oder deinem Versagen, dann fühlt dein Körper, diese Zukunft sei bereits eingetreten. Jeden Tag erneut, immer wieder. Und zugleich möglichst wenig zu intellektualisieren, zu analysieren, möglichst wenig erzwingen zu wollen, nicht zu kämpfen, nicht zu kontrollieren. Sondern tagtäglich in sich Gefühle der Dankbarkeit, der Wertschätzung, der inneren Kraft, der Freiheit und der Liebe zu erschaffen - freudvoll, trunken, heiter - und so einen vertrauensvollen Schritt in das Unbekannte zu tun.

So lautet meine Frage: Bist du bereit diesen Schritt ins Unbekannte zu wagen - UND dort zu bleiben?

Lieber Mensch, ich möchte dir von Herzen danken, dass du jetzt gerade deine Aufmerksamkeit mit mir teilst. Du teilst mit mir das Kostbarste, was du hast - deine Aufmerksamkeit, dein LICHT. Dorthin, wohin sich deine Aufmerksamkeit richtet, da geht dein Leben hin. Das Neue, die andere Welt ist nicht nur möglich, sie ist am Entstehen, in stillen Momenten kann ich sie atmen hören.

In Verbundenheit, Ihre und deine

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